Vovinam Viet Vo Dao

Gründer Nguyen Loc

Vovinam Viet Vo Dao ist eine Kampfkunst, die in Vietnam von dem vietnamesischen Meister und Patrioten Nguyen Loc, aus den damals in Vietnam vorherrschenden Kampfstilen, zu einem neuen System zusammengefasst wurde.
Dieses System ist an die körperlichen und mentalen Voraussetzungen der vietnamesischen Bevölkerung angepasst. Daher nennt man es „Vovinam“ (übersetzt: Kampfkunst aus Vietnam) und „Viet Vo Dao“ (übersetzt: Kampflehre aus Vietnam).
1938 war dieses System formal abgeschlossen. Im Herbst 1939 wurde es in der Oper von Hanoi einem von da an breiten und begeisterten Publikum vorgestellt. Anfang 1940 wurde die erste Vovinam Schule in der Pädagogik Schule (Ecol Normal) in Hanoi eröffnet.

Obwohl fast alle asiatischen Kampfkunstsysteme ihre Wurzel in China haben, besitzt dieses System besondere Reize oder unverkennbare Merkmale und entspringt tatsächlich aus der Volksseele Vietnams. Der 1960 verstorbene Gründer Nguyen Loc wird von den Schüler daher fast religiös und wie ein Nationalheld verehrt.

In mir, als europäischem Schüler, bringt das Lebenswerk dieses Mannes, den ich natürlich persönlich nicht kennenlernen konnte, eine Gefühl tiefer Hochachtung hervor. Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint, sodass ich mit dieser dynamischen Disziplin, die mittlerweile auf allen Kontinenten ausgeübt wird, in Kontakt gekommen bin. Ich habe in dieser Disziplin bisher den 3. Dan (vietn. Dang) und das Trainerdiplom erreicht.
Da ich die Schule meines verstorbenen Meisters übernommen habe und er hauptsächlich Shaolin Kung Fu und Taekwondo unterrichtete, galt mein Augenmerk hauptsächlich diesen Disziplinen. Nicht alles konnte mir mein Meister so hinterlassen, dass ich den geordneten Schulbetrieb ohne weitere Anstrengungen, sorgenfrei und für die Schüler reibungslos, hätte aufrecht erhalten können. Mein Meister starb für alle unvermittelt und zu früh. Meine hauptsächliche Arbeit war und ist das Herstellen eines geregelten Anschlusses an die internationalen Ausbildungsstandards und die internationale Anerkennung der Prüfungsabschlüsse.

Meister Thien, fünfter von links
Meister Thien, fünfter von links

Jetzt allerdings ist die Schulsituation so weit gefestigt, dass ich mich wieder mehr den Angelegenheiten der Vovinam Viet Vo Dao Ausbildungen widmen kann. Um meine eigene Weiterentwicklung zu gewährleisten, werde ich wieder in Kontakt mit einer Schule in Frankfurt treten, die unter vietnamesischer Leitung steht. Ich verspreche mir hiervon Erfolg, da die Vovinam Schulen im Allgemeinen hilfsbereit sind und Unterstützung leisten, so gut sie können. Seit 2003 betreibe ich diese Kampfkunst und unterhalte eine kleine Gruppe von Schülern.
In der Vovinam Viet Vo Dao Schule, wo ich in Ausbildung war, ist es eigentlich nicht üblich jemanden als „seinen Meister oder Trainer“ zu bezeichnen. Laut ihrer Schuldoktrin gibt es nur das Element der Erziehung (Ausbildung), nicht jedoch die Rolle des individuellen Erziehers (Ausbilders). Der Meister ist nur der erfahrenere Vorsteher der entsprechenden Schule. Er ist aber in vollem Umfang für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich. Da es immer Personen gibt, die berechtigterweise wissen wollen, wer mein Vovinam-Meister war, beantworte ich diese Frage gerne. Mein Meisterausbilder war der unermüdlich gütige Meister „Tran – Phuoc Thien“.

Im kommenden Jahr werde ich mich intensiv um den weiteren Ausbau der Schülerschaft und die Förderung des Nachwuchses bemühen.

Zur besseren Übersicht stelle ich die Ausbildungsinhalte vor:

  1. Etikette
  2. Theorie
  3. Fuß und Handtechniken
  4. Roll und Falltechniken
  5. Festhaltetechniken
  6. Befreiungstechniken
  7. Ringtechniken
  8. Angriffstechniken (Angriffsserien zum Partner)
  9. Abwehrtechniken ( Abwehr gegen Angriffsserien)
  10. Fußfeger in Kombination mit und ohne Armtechniken)
  11. Sprungtechniken
  12. Beinscheren (diese kommen auch in anderen Kampfkünsten vor, sind allerdings eine Spezialität des Vovinam geworden)
  13. Frei- oder Wettkampf
  14. Khi Cong (Qi Gong)
  15. Nhu Khi Cong Quyen (Tai Chi ähnlich)
  16. Waffentechniken
  17. Alltagsgegenstände, die waffengleich benutzt werden
Formen(Quyen): Hand-Fuß-Formen (mit und ohne Partner)
Ring-Formen (mit Partner)
Formen, die eine Anwendung aus Tritten, Schlägen, Ringtechniken bzw. Würfen und Bodentechniken, inklusive Beinscheren, sind (mit Partner)
Waffenformen (mit und ohne Partner)
Khi Cong Quyen (Qi Gong Formen)
Nhu Ki Quyen (Tai Chi ähnlich)

 

Vovinam hat den Vorteil, dass alle Disziplinen, die man sonst getrennt ausübt, zusammengeführt werden. Die Ausbildung ist entsprechend umfangreich, macht aber trotz aller Anstrengungen Spaß und trainiert den Körper in allen Bereichen. Durch die Vielzahl von Möglichkeiten, welche die einzelnen Disziplinen im Vovinam bieten, findet nahezu jede Person, egal welchen Alters, ihr Spezialgebiet. Grundlegend sei gesagt, dass die Erziehung zu einem guten, gesellschaftlich wertvollen Menschen das Hauptanliegen im Viet Vo Dao ist. Es soll sich niemand von seinen Zweifeln bezüglich seiner Leistungsfähigkeit davon abhalten lassen, den Weg zu uns zu finden. Der Körper ist vergleichbar mit Knetmasse. Man muss ihn nur walken und biegen, immer und immer wieder, dann wird er flexibel und zugleich stark. Es sei hier noch erwähnt, dass mit der körperlichen Ertüchtigung auch die geistige Stärke zunimmt.

Shifu Shi Heng Xiu (hgl)