Shaolin Kung Fu der Mythos – das große, einmalige, buddhistische Kulturgut
(Basis und Philosophie)


Wenn es noch ein Kampfkunstsystem gibt, das nicht zur reinen Sportart verkommen ist, so muss das Shaolin Kung Fu als Erstes genannt werden.

Dabei ist die Verschmelzung von körperlicher Handlung und bewusst erfahrener Absicht ein Einheitszustand, indem alle Sinne in ihrer Wirkung uneingeschränkt auf zielgerichtetes Verhalten ausgerichtet sind.

Um das Geheimnis des Lebens und des Universum zu ergründen wird eine Erkenntnis gewinnende Methode zur Anwendung gebracht. In der buddhistisch-analytischen Betrachtungsweise wird zum Beispiel eine feste Form oder ein Produkt auf sein wahres Bestehen untersucht und dabei als konventionell, gegenwärtig erscheinend wahrgenommen.

Allerdings wird gleichsam eine konventionelle Form oder ein Produkt als vergänglich bzw. flüchtig erkannt und somit als letztlich (existierende) absolute Wirklichkeit verworfen. Dabei wird zwischen einer groben, augenscheinliche Vergänglichkeit und einer subtilen Vergänglichkeit, die mit geistigen Auge (also dem Wissen) wahrgenommen wird, unterschieden. Aus diesen „Formen” der Vergänglichkeit resultiert die „gültige Kenntnis” einer gegenwärtigen, konventionellen und „flüchtigen Erscheinung”. Jene „benannte Gültigkeit” ist die solide Basis jeder weiteren Erkenntnissuche. Damit einhergehend wird erfahren, dass alles was erscheint immer von mehreren Faktoren abhängig ist, beziehungsweise nur unter der Voraussetzung mehrerer zusammenhängender Faktoren besteht oder als bestehend erscheint. Aus dieser Sicht wird ein Erleben angesteuert, das die zusammenhängenden Faktoren erkennt, sie durchschaut und damit überwindet.

Das Ergebnis hieraus, ist die weitere „gültige Kenntnis” einer „nicht produkthaften Weisheit”. Das zusammenfassende Wahrnehmen dieser beiden gültigen Kenntniserfahrungen durchdringt die gesamte buddhistische „Bestehens-Analyse”. Mit dieser mentalen Haltung ist der Geist soweit beruhigt, dass sich diese Ruhe wie ein Spiegelbildlicher Seelengrund offenbart.

Sinnbildlich wird dies beispielhaft mit einer stillen, in sich ruhenden, Wasseroberfläche verglichen.

Eine ruhende Wasseroberfläche kann Jegliches widerspiegeln und aufzeigen. Ein Ereignis, das in eine ruhende Wasseroberfläche einwirkt, bleibt nicht ohne Reaktion. Es entstehen sichtbar Wellen als Ausdruck verlorener Ruhe, dadurch ist die reflektierende spiegelbildliche Sicht, je nach Heftigkeit der Einwirkung, verzerrt oder ganz verloren. In diesem Zusammenhang ist ein Wutausbruch einem verheerendem Sturm gleichzusetzen, der eine gefasste und beruhigte Sicht einer Gemütslage zerstreut, diese unkontrollierbar macht und jede diesbezügliche Erfahrung einer klaren Spiegelsicht zerstört. Wer sich demzufolge eine offenbarende Weisheit erhofft und diese anstrebt, sollte ein friedliches Gemüt einüben und immer bei sich behalten. Diese grundlegende und ursächliche Erfahrung ist im Ergebnis die Basis des zivilisierten Miteinander

Wer diese Beruhigung als Steuerung der Einsichtmöglichkeit versteht, besitzt das befreiende Mittel (den Schlüssel) zur Überwindung der Unwissenheit. Damit wird das universelle Schatzhaus, durch individuelle Erfahrung, geöffnet und Weisheit erfahren. Diese Weisheit ist, neben der perfekten Ausführung der technischen Abläufe, unter Berücksichtigung aller ethischen Verhaltensweisen, wie sie im Shaolinkloster praktiziert werden, das einzige Ansinnen eines Schülers.

Bei aller Komplexität des vorher Beschriebenen, wird im Shaolin Kung Fu hauptsächlich die Beruhigung aller Denkprozesse durch entschlossenes Handeln herbeigeführt. Eine emotionale Entscheidungsproblematik entsteht erst gar nicht oder entfällt. Letztlich wird immer das Einfachste (das dem Allgemeinwohl Dienende) realisiert. Diese Absicht kann nur mit einer allumfassenden Motivation und der daraus resultierenden Entschlusskraft erreicht werden. Durch Weisheit, gepaart mit Mitgefühl, wird das eigene Leben mit Hilfe des Shaolin Kung Fu zum Wohle aller Wesen altruistisch gemeistert und damit das Eigenwohl vollendet.

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